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Geschichte der Gemeinde Großheide

Die Gemeinde Großheide wurde mit Wirkung vom 1. Juli 1972 durch ein Neugliederungsgesetz aufgelöst und mit vier weiteren Gemeinden zur neuen Gemeinde Großheide zusammengeschlossen. Das Gemeindegebiet umfasst die heutigen Ortsteile Großheide und Ostermoordorf. Dem 1972 erschienenen Buch 'Panorama Landkreis Norden’ von Karl Leiner wurde folgendes entnommen:

Großheide

Großheide - geschichtliches WappenIn Silber zwischen zwei schwarzen Rohrkolben eine grüne, aufsteigende Spitze mit einem silbernen Pflugschar. Das Wappen weist auf den landschaftlichen Charakter der Gemeinde hin, die früher auf weite Strecken aus Moor- und Heideflächen bestand, was auch die Namen der beiden Ortsteile Großheide und Ostermoordorf aussagen. Dieses Gebiet wurde unter den Pflug genommen und bis auf geringe Reste kultiviert.

Das Zusammenwachsen der beiden Ortsteile Großheide und Ostermoordorf zur politischen Gemeinde wird durch die Schildteilung und die Zusammenstellung zweier verschiedener Motive verdeutlicht.

Großheide: Gemeinde. 2.619 Einwohner. Größe: 1.208 ha. Behörden: Gemeindeverwaltung, Sitz der Samtgemeinde Berumerfehn, Geschäftsstelle des Schulzweckverbandes Arle, Hilfsstelle des Arbeitsamtes Emden. 99 % evangelisch-lutherisch, Rest anderer Konfession. In dem Schatzungsregister des Amtes Berum ist 1552 die erste urkundliche Erwähnung der Gemeinde nachzulesen. Auf der Karte von Ubbo Emmius aus dem Jahre 1595 wird der Ort als Grote Heyde ausgewiesen.

Großheide bestand bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nur aus dem jetzigen Ortskern. Die übrigen Gebiete waren Gemeinheit (Nutz- und Weideflächen, die allen Bewohnern mit gleichen Rechten zugänglich waren). Im Laufe der Zeit, eine Folge des hier betriebenen Torfabbaues, entwickelte sich der Ortsteil Ostermoordorf. In etwa der Linie der Straße vom Kompaniehaus bis hin zum Kuhweg wurde der Torfabstich betrieben. Mit einer alten Karte von 1803 sind diese Angaben zu belegen.

1825 wurde der Maanweg, die jetzige Kreisstraße 4, ausgebaut. Nach der Besiedlung des Müntjelandes verblieb nur noch östlich des Maanweges Gemeinheit. 1868 wurde auch dieses Stück aufgeteilt. Lebrechts, Pächter auf Koldinne, erhielten 378,5 Diemat. Der Großheider Anteil von 217,898 ha wurde in 177 Parzellen vermessen und die bisher Weideberechtigten nach Grundstücksfläche und Grundstückgüte entsprechend abgefunden. Eine Besiedlung des Großheider Feldes wurde Zug um Zug eingeleitet.

Um die Jahrhundertwende übernahm die Doornkaat AG. den Anteil der Lebrechts Erben und kultivierte den gesamten Komplex. Mit Genehmigung des Preußischen Landrats durfte der Besitz nunmehr den Namen „Gut Friederikenfeld“ führen. Kommerzienrat Jan ten Doornkaat Koolman ließ auf dem Gelände ein großes Gutshaus erbauen, das im Volksmund seiner Größe und Stattlichkeit wegen gern als „Schloß“ Friederikenfeld bezeichnet wurde. Der Verwalter des Gutes hatte hier seinen Sitz. Ebenso waren großangelegte Stallungen vorhanden, die für eine planmäßig vorgesehene Ochsenmast angelegt waren. Das Vieh hierfür wurde in der Hauptsache in Ostpreußen aufgekauft. Die von der Doornkaatschen Brennerei anfallende Schlempe, hervorragendes Viehfutter, fand somit nutzbringende Verwendung. Heute ist in dem Gebäude eine Hilfsstelle des Emder Arbeitsamtes untergebracht. Seit Sommer 1919 ist das Gut Eigentum des Landkreises Norden.

Großheide, im Herzen des Landkreises Norden gelegen, ist 1.208 ha groß. Infolge intensiver Unterstützung des Landkreises Norden wie auch der Eigeninitiative der Gemeindeverwaltung selbst ist in den letzten Jahren eine stetige Aufwärtsentwicklung erkennbar. Der Ort ist über die Kreisstraßen 3, 4 und 7 direkt zu erreichen. Aber auch die Landesstraße 6 berührt die Nordgrenze von Großheide. 39 km Gemeindewege wurden angelegt, wovon 30 km als Wirtschaftswege ausgebaut sind.

Bauflächen werden im Flächennutzungsplan ausgewiesen, Ansiedlungen von Wohn-, Geschäfts- und Industriebauten sind jederzeit gegeben. Die am Ort befindlichen Behörden wie die Gemeindeverwaltung, die Samtgemeindeverwaltung, die Geschäftsstelle des Schulzweckverbandes Arle, die Hilfsstelle des Arbeitsamtes Emden regeln und erledigen alle gemeindebehördlichen Anliegen ihrer Einwohner, womit sich in diesem Lebensraum Großheide als zentraler Mittelpunkt entwickelt hat. Eine Zweigstelle der Kreis- und Stadtsparkasse Norden hat hier ihren Sitz.

Gutentwickelte Handwerksunternehmen aller Sparten ebenso wie auch Einzelhandelsgeschäfte und Dienstleistungsbetriebe sind am Ort. Zwei Grundschulen mit einer guteingerichteten Gemeindebücherei, je eine in Großheide und Ostermoordorf, eine zwanzigklassige Mittelpunktschule mit weiteren 6 Fachräumen und eine Landwirtschaftliche Berufsschule stehen für die Ausbildung der Kleinen und Fortgeschrittenen im Großheider Raum zur Verfügung.

Für die sportfreudige Generation sind zwei Sportplätze vorhanden. Ein weiteres Betätigungsfeld ist mit der 12 x 12 m großen Turnhalle gegeben. Sie steht allen im Winter wie im Sommer für den Übungsbetrieb offen. Ein immer noch erkennbarer Aufwärtstrend gibt der Gemeinde zu weiteren berechtigten Hoffnungen Anlaß.
 
Karl Leiner: Panorama Landkreis Norden
Copyright 1972 by Landkreis Norden
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Landkreises Aurich